„Wenn ich groß bin, möchte ich einmal ein Buch schreiben.“ Das war wirklich schon ganz früh mein Wunsch. Als ich im Studium meinen Mann kennenlernte, erzählte ich ihm von diesem Wunsch. Und dieser wurde zum Running Gag zwischen uns. Oft fragte er mich: „Wann schreibst Du denn endlich Deinen Bestseller, damit ich mich zur Ruhe setzen kann?“ Oft antwortete ich ihm, dass ich einfach nur einmal eine gute Idee bräuchte, dann würde ich schon loslegen. Manchmal verbrachten wir ganze Nachmittage damit, Ideen zu spinnen für einen solchen Bestseller.

Dann erkrankte ich an multipler Sklerose und wir beschlossen, eine Familie zu gründen. Wir bekamen  eine Tochter und dann noch eine – das Thema Buch rückte aufgrund der ganzen neuen Aufgaben als Eltern in weite Ferne. Und trotzdem fragte mich mein Herzensmann zwischendurch immer wieder: „Wann schreibst Du denn endlich Deinen Bestseller? Wann kann ich denn endlich einfach Hausmann sein und mich nur noch um meine Familie kümmern?“

 

 

 

 

 

Mit einer Idee für ein Buch konnte ich immer noch nicht dienen, aber ich begann, einen Blog über mein Leben als Mama zu schreiben. Erst drehte er sich nur um das Thema Mutterschaft. Dann nach zwei Jahren auch um die multiple Sklerose. Dadurch wurde er immer größer. Immer mehr Menschen begannen, auf Mama Schulze mitzulesen, wie ich mein Leben als Zweifachmama mit multipler Sklerose wuppe. Auch Anfragen von Zeitschriften und Tageszeitungen kamen hinzu. Das Interesse stieg. Und eines Tages trudelte eine Anfrage von Eden Books in meinem Mailpostfach ein. Ob ich mir vorstellen könne, meine Geschichte als Mama mit multipler Sklerose in einem Buch niederzuschreiben, fragte mich Svenja vom Verlag. Natürlich hatte ich Lust, schließlich war das ja schon so lange mein Traum. Aber ob ich mit meiner Krankheitsgeschichte vor ein so großes Publikum treten wollte, musste ich mir zunächst noch überlegen.

Doch dann war ich mir plötzlich ganz sicher: Ja, ich mache das! Denn mir wurde bewusst: Schon immer war da dieser Wunsch. Immer war ich auf der Suche nach einer Idee für ein eigenes Buch. Nun bin ich an multipler Sklerose erkrankt und ich muss gar nicht mehr weitersuchen. Das ist DIE Idee! Der Kreis schließt sich.

 

 

 

 

 

Nun ist „Alles wie immer, nichts wie sonst. Mein fast normales Leben mit multipler Sklerose“ tatsächlich zum SPIEGEL-Bestseller geworden. Und ich kann gar nicht fassen, dass aus den „blöden“ Sprüchen meines Mannes Wirklichkeit geworden ist. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Niemals hätte ich gedacht, dass meine Geschichte so viele Menschen erreicht! Manchmal hält das Leben trotz solcher Hiobsbotschaften wie einer unheilbaren Krankheit noch Überraschungen bereit – das ist doch einfach nur toll, oder?

Fotos (c) Katrin Schander Fotografie