In jeder Situtation majestätisch und wortgewandt reagieren

»Nicole Staudinger ist selbsternannte ›Schlagfertigkeitsqueen‹. Und das ist nicht etwa hochgepokert, sondern eine gute Selbsteinschätzung.« Frauenzimmer.de

Wer kennt sie nicht – Situationen, in denen unsere Schlagfertigkeit gefragt ist, uns die passende Antwort aber wieder mal erst drei Stunden später einfällt. Besonders wir Frauen leiden oft unter der ungewollten Sprachlosigkeit, denn Hand aufs Herz: Schlagfertigkeit und Durchsetzungsfähigkeit gelten in unserer Gesellschaft nach wie vor als typisch männliche Eigenschaften und stehen damit auch nicht auf dem Erziehungsplan von jungen Mädchen. Was für uns Damen bleibt? Nett lächeln und Zurückhaltung üben, während die Männer die großen Diskussionen ausfechten. Doch zum Glück macht Nicole Staudinger jetzt genau damit Schluss! In »Schlagfertigkeitsqueen« analysiert die zertifizierte Trainerin alltägliche Kommunikationssituationen, denen wir Frauen uns immer wieder ausgesetzt sehen, zeigt Fehlerquellen in unserem Verhalten auf und gibt Tipps und Tricks für ein schlagfertiges und selbstbewusstes Auftreten. Mit diesem praktischen Ratgeber kann uns in Zukunft so schnell nichts mehr die Sprache verschlagen

 

Lesetext: Kapitel »Männer – Meister der Gelassenheit«

»Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weit weniger schwierigen Dingen, zum Beispiel der Relativitätstheorie.«

Albert Einstein

Das, was ich zu Hause zu viel rede, redet mein Mann zu wenig. Das ist keineswegs abwertend gemeint. Ganz im Gegenteil. Ich bewundere ihn für seine Gelassenheit, ohne den dringenden Wunsch, Dinge geraderücken zu müssen. »Interessiert mich nicht, was der sagt. Ich weiß ja, dass es nicht stimmt.« Diese abgeklärte Ruhe wünsche ich mir manchmal auch.

Man kann Männern ja viel nachsagen. Aber ich behaupte einfach mal, Männer sind nicht so begabt im Durch-die-Blume-Sagen wie Frauen. Das hat zur Folge, dass sie auch nicht so viel durch die Blume verstehen.

Es gibt zahlreiche Beispiele in der Literatur, in Comedy-Formaten und Filmen, die sich dem Problem der Kommunikation zwischen Männern und Frauen widmen. Vor Kurzem durfte ich selbst Zeugin davon werden, wie sich dieser Unterschied auf die Schlagfertigkeit auswirkt und dass wir von Männern wirklich einiges lernen können.

Ich war in München in einem Unternehmen zu Gast, das das Schlagfertigkeitstraining exklusiv gebucht hat. Eine kleine Gruppe hoch kreativer, intelligenter Menschen, darunter auch zwei Männer. Aber zwei äußerst angenehme Exemplare!

Die Herrschaften waren in der Versicherungsbranche beheimatet. Auch in diesem Training haben wir uns zunächst den Grundvoraussetzungen gewidmet, bevor wir uns konkrete Beispiele aus ihrem Alltag angeguckt haben. Es stellte sich schnell heraus, dass den Frauen ad hoc wesentlich mehr Beispiele der Sprachlosigkeit einfielen als den Männern.

Die Szene lief ungefähr so:

Trainerin, also ich: »Was für Beispiele sind Ihnen noch eingefallen? Wann waren Sie das letzte Mal sprachlos?«

Teilnehmerin 1: »Ja, da gab es letztens so eine Situation. Da rief mich eine Kollegin an, die – wie wir alle – auch schon mal vom Homeoffice aus arbeitet. Diese Kollegin meint immer, besonders hervorheben zu müssen, wie viel Stress sie hat. Sie meinte zu mir: ›Also, was ihr da so den ganzen Tag macht, das verstehe ich nicht. Bei mir biegt sich der Schreibtisch nur so durch.‹ Da wusste ich nichts drauf zu antworten.«

Ich: »Was hätten Sie rückblickend am liebsten gesagt?«

Teilnehmerin 1: »Dass mir diese Wichtigtuerei auf den Senkel geht. Dass ich diese ewigen Unterstellungen, wir würden nicht genug arbeiten, satthabe. Aber ich bin ihr ein ganz bisschen unterstellt und da muss ich vorsichtig sein.«

Teilnehmerin 2: »Ja, das ist bei der Kollegin nicht ganz so einfach. Die ist sehr spitzfindig. Wahrscheinlich hat sie auf das Projekt XY angespielt.«

Teilnehmerin 1: »Ja, das glaube ich auch. Vor ein paar Wochen sagte sie so etwas Ähnliches in ähnlichem Zusammenhang. Schwierig. Sie hat mir ja unterstellt, dass ich faul bin, oder?«

Ich: »Hat sie das? Herr Müller, Sie als Mann, wie
hätten Sie auf ›Bei mir biegt sich der Schreibtisch
durch …‹ geantwortet?«

Teilnehmer 3: »Äh, ich hätte gesagt: ›Dann lass uns schnell auflegen, wenn du so viel zu tun hast.‹«

Seine Kolleginnen haben ihn völlig entgeistert angeschaut. Dann schauten sie mich an. Und wieder ihren Kollegen. Bis dann die erste Dame sagte: »Das ist genial, David.« Das fand ich allerdings auch.

Was war hier passiert? Der Kollege, David, der sich seiner Genialität nicht bewusst war, hat diesen vermeintlichen »Angriff« gar nicht als solchen gesehen. »Sie hat doch nur gesagt, dass ihr Schreibtisch voll ist. Und dass sie nicht weiß, was ich so mache. Das hat doch nix mit mir zu tun.«

Ach Mädels, wie schön wäre es, wenn wir uns ein bisschen davon abgucken könnten! Es sei mal dahingestellt, wie die Dame das gemeint hat, Fakt ist doch etwas ganz anderes. Wenn wir es schaffen, genau wie David, Dinge einfach nicht zu hören, nicht zu interpretieren, nicht zwischen den Zeilen zu lesen, dann kommen wir doch erst gar nicht in Stress. An David ist dieser Spruch, der für ihn gar keiner war, abgeperlt wie an einer Teflon-Pfanne. Und noch etwas passiert. Wir als Frauen wissen natürlich, dass die besagte Kollegin uns mit Sicherheit etwas durch die Blume zugehaucht hat. Aber was glauben Sie, wie sich Madame nach der Antwort »Dann lass uns schnell auflegen, wenn du so viel zu tun hast« fühlt? Sie ist irritiert, vielleicht sogar frustriert. Und sie wird Ihnen nie mehr einen solchen Satz entgegenbringen.

Sie kann sich ja auch nicht erklären, denn dafür müsste sie hinter ihrer Blume hervorkommen und glauben Sie mir: So viel Mumm haben die Menschen nicht. Ich habe noch nie erlebt oder gehört, dass einer nachschießt mit: »Hallo? Hast du nicht verstanden, was ich dir da gerade durch die Blume geflüstert habe?« Nee, das wird nicht passieren. Sie lassen die Kollegin ins Leere laufen und ich garantiere Ihnen, dass sie darauf sprachlos ist. Ein bisschen wie bei diesen schrecklichen Stierkämpfen. Der wütende Stier läuft und läuft, sammelt all seine Kräfte und Sie ziehen im letzten Moment das Tuch weg. Er läuft ins Leere, verschwendet Energie und ist geschwächt.

Was genau können wir uns also von David abgucken? Es ist mehr als allein den Schutzschild hochziehen. Es ist auch ein bisschen von: Ich bin nur für das verantwortlich, was ich sage, nicht für das, was du verstehst.

Es ist die Fähigkeit – und liebe Herren der Schöpfung, verzeihen Sie mir den Ausdruck! –, einfältig zu denken. Liebe Damen, lasst uns einfach ein bisschen weniger denken, interpretieren, kommentieren, fachsimpeln, überlegen, mitdenken, um die Ecke denken …
lasst uns ein bisschen einfältig sein.

Lieber David, an dieser Stelle sei ganz klar gesagt: Du bist nicht einfältig! Du hast nur – für unsere Verhältnisse – einfältig gedacht. Einen Riesendank dafür!

Technik 1 – Nicht zu viel denken! Oder: ins Leere laufen lassen

»David aus unserem Beispiel hat es uns gezeigt: Seien Sie der Torero, der das Tuch einfach wegzieht.

Stellen Sie sich bitte eine Situation im Büro vor. Sie sitzen mit vielen Mitarbeitern im Meeting und gerade lautet das Thema Beförderung. Die Kollegin, die Ihnen gegenübersitzt, wettert auf einmal los. Ohne Sie zu erwähnen, ist durch ihren Blick und ihre Gestik völlig klar, dass sie Sie meint:

»Tja, bei uns werden die Posten ja anscheinend nach Rocklänge vergeben.«

Ja, Sie tragen gern Röcke. Warum? Weil Sie schöne Beine haben. Das brauchen Sie auch nicht mit dieser netten Dame abzusprechen. Ja, durch deren Gestik sind höchstwahrscheinlich Sie gemeint. Aber gesagt hat die Dame das ja nicht. Sie hat erst mal nur eine sehr waghalsige Behauptung aufgestellt, die Sie zunächst nicht auf sich beziehen müssen.

Wenn wir wieder David von eben zum Vorbild nehmen und weniger denken, weniger interpretieren, so fällt Ihnen relativ schnell folgende Antwort ein: »Wirklich? Das kann ich ja gar nicht glauben. Das ist ja ein Ding!«

Sagen Sie es entrüstet, so als ob Sie es wirklich nicht glauben könnten.

Vorteil dieser Technik: Sie rechtfertigen sich nicht und Sie bieten keinerlei neue Angriffsfläche! Zeigen Sie sich über die behauptete Aussage geschockt, aber beziehen Sie es nicht auf sich. Vielleicht sind Sie ja auch gar nicht gemeint. Sollten Sie auf die Bemerkung eingehen und nachfragen: »Wie meinst du das?«, geben Sie ja schon indirekt zu, dass Sie sich den Schuh anziehen.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass auf den Angriff »Bei uns werden ja anscheinend die Positionen nach Rocklänge vergeben« noch mehr Antworten möglich sind. Hier eine kleine Auswahl:

  • »So so?!« (Zwei-Silben-Antwort, Kapitel 22)
  • Mit dem richtigen Blick auf Ihr Gegenüber, abwertend von oben nach unten: »Scha-de!« (Zwei-Silben-Antwort)
  • »In der Kürze liegt die Würze.« (Redewendung, Kapitel 18)
  • Sie haben weitere Ideen? Ich freue mich auf Ihre Mail!

Technik 2 – Ja!

Sehr ähnlich zu der »Ins Leere laufen lassen«-Technik ist die, einfach zuzustimmen. Sie glauben ja gar nicht, wie das irritiert.

Stellen Sie sich vor, Sie halten gerade eine Präsentation. Sie ist fundiert und ausgefeilt, Sie wissen, wovon Sie reden. Doch ein Kollege, mit dem Sie sonst nicht viel zu tun haben, wirft auf einmal dazwischen: »Wissen Sie eigentlich, wovon Sie da reden? Sie haben ja noch nicht mal studiert!«

Bei fast jeder Antwort, die einem dazu einfällt, begeben Sie sich in die Rechtfertigung und kämpfen gegen Ihren Puls. Manchmal hilft daher die einfache, spontane Zustimmung mit einem beherzten: »Ja!«

Mehr braucht es nicht, um zu verwirren. Lassen Sie Ihr Gegenüber doch einfach mal reagieren. Was möchte er Ihnen denn damit sagen?

Wichtiger Hinweis zum Thema Zustimmung: Mut zur Pause. Lächeln Sie höflich und verbindlich und gucken Sie Ihr Gegenüber mit einem unausgesprochenen »Und weiter?« an. Das verschafft Ihnen Zeit und es führt den Gegner vor. Meist verstummt dieser von ganz allein.

Die spontane Zustimmung verwirrt Ihren Gegner und zeigt, dass Sie Humor haben. So könnte eine Antwort auf die sehr charmante Äußerung »Ui, du bist aber ganz schön dick geworden« ein klares und simples »Stimmt!« sein.

Pressestimmen

Die Welt, 17.11.2016
“Sachbuch? Ratgeber? Comedy? Nicole Staudinger vereint in ihrem Buch ‘Schlagfertigkeitsqueen’ alles.” 

MDR Fröhlich lesen, 10.11.2016
“Man kann richtig was lernen von der Schlagfertigkeitsqueen! Sie ist auf der richtigen Seite und das tut gut!” 

Süddeutsche Zeitung, 21.10.2016
“Viele Ratgeber sind so nützlich wie Schnee im Sommer – gut, dass es Ausnahmen wie die von Nicole Staudinger gibt.”

Bettina Böttinger über Nicole Staudinger, WDR Kölner Treff, 08.07.2016
“Eine Frau, die sich traut!“ 

BILD, 12.09.2016
„Deutschlands Schlagfertigkeitsqueen!

ERSCHIENEN 12.09.2016
SEITEN 240
FORMAT 13,5 x 21,0 Klappenbroschur
ISBN 978-3-95910072-4
LADENPREIS € 14,95 (D) / € 15,40 (A)
AUTOREN Nicole Staudinger

 

Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich