Unsere Autor*innen bereisen die Welt, steigen aus, überwinden harte Schicksalsschläge und erzählen mutig ihre ganz persönlichen Geschichten. Wir stellen 5 Fragen, die alle Leser*innen brennend interessieren und die wir unseren Autor*innen selbst schon immer einmal stellen wollten. Hier komen 5 Fragen an Katharina Afflerbach, Autorin von »Bergsommer«.


Bevor du zur Alp aufgebrochen bist, was hast du dir erhofft, dort zu finden?

Allem voran Freiheit! Nach all den Jahren in der »klassischen Karriere« fühlte ich mich eingezwängt. Ich hatte sogar Asthma bekommen und mir fehlte bisweilen wortwörtlich die Luft zum Atmen. Auf die Alp zu gehen war für mich im ersten Bergsommer wie ein Freischwimmen. Ich wollte wieder ich werden, wieder durchatmen, wieder in meinen Körper kommen und mich lebendig fühlen, um dann runderneuert in die Selbstständigkeit zu starten.

Welche Arbeiten fallen denn konkret auf einer Alp an?

Jeder Tag ist anders und bringt neue Arbeiten mit sich – es muss geschaut werden, was das Wetter hergibt. Je nach Jahreszeit fallen andere Arbeiten an. Zu Beginn des Alpsommers müssen die Weiden für die Tiere bereitgemacht und Zäune und Brunnen aufgestellt werden. Jeden Tag stehen Ausmisten, Füttern, Melken und Käsen auf dem Programm, oft auch die Weidepflege, und wenn endlich das Wetter stimmt, die Heuernte. Einmal im Sommer ist Holzerwoche – da wird der ganze Vorrat an Zaunpfählen und Feuerholz für den jeweils nächsten Sommer gemacht.

Waren die Arbeiten auch mit körperlichen Herausforderungen verbunden?

Oh ja, wenn man auf die Alp will, darf man nicht zimperlich sein. Oder man lässt das ganz schnell hinter sich. Wenn man so wie ich quasi direkt vom Bürostuhl auf die Alp geht, hat der Körper eine ordentliche Umstellung vor sich. Vor allem die Beine sind vom ständigen Bergauf- und Bergabgehen schwer wie Blei. Überall zwickt es mal, im Rücken vom Heben, in den Armen vom Tragen oder vom Zaunpfähleeinschlagen mit dem Vorschlaghammer. Spannend ist, dass die Hände beim körperlichen Arbeiten nicht nur schwielig, sondern auch größer werden. Meine Tastaturhände sind zu Arbeiterpranken geworden.

Hast du nach einiger Zeit auf der Alp Seiten oder Dinge an dir entdeckt, die du zuvor noch nicht kanntest?

Ich habe für mich wiederentdeckt, dass sich körperliche Stärke auf die mentale Stärke übertragen kann. Selbst im dritten Sommer, so kurz nach dem tragischen Unfalltod meines kleinen Bruders, hat sich für mich die Bewegung in der Natur als der Schlüssel zur Heilung herausgestellt. Bewegen bewegt. Schritt für Schritt. Auf das Tempo kommt es dabei nicht an.

Wie schaffst du es, ein Stück deiner Bergsommer mit in deinen Alltag in Köln zu nehmen?

Ich lebe die Freiheit und versuche, jeden Tag auf mich zukommen zu lassen. Es braucht eben nicht alles einen Plan und ich liebe die Abwechslung, die ich jetzt in meiner Selbstständigkeit auch ausleben kann. In Köln sagen wir ja »Et kütt wie et kütt«, »es kommt, wie es kommt«, und das passt zu Stefanies »Mier luege denn«, »wir schauen dann«. Ganz konkret hole ich mir regelmäßig die Berge in die Küche. Etwa einmal im Monat veranstalte ich ein Abendessen für den guten Zweck und rühre ein Schweizer Käsefondue. Zehn Gäste haben beim »Fondue for Life« Platz, und wer mag, erfährt dabei aus erster Hand von meinen Abenteuern auf der Alp.

Vielen Dank für deine Antworten, liebe Katharina!


Wenn ihr mehr über »Bergsommer« erfahren wollt, schaut doch mal hier vorbei.

Katharina Afflerbach: Bergsommer