Unsere Autor*innen bereisen die Welt, steigen aus, überwinden harte Schicksalsschläge und erzählen mutig ihre ganz persönlichen Geschichten. Wir stellen 5 Fragen, die alle Leser*innen brennend interessieren und die wir unseren Autor*innen selbst schon immer stellen wollten. Hier komen 5 Fragen an Katja Just, Autorin von »Frische Brise auf dem Sommerdeich«.


Wie lange lebst du jetzt schon auf Hallig Hooge?

Im nächsten Jahr sind es zwanzig Jahre. Im Oktober 2000 war mein Umzug auf die Hallig.

Hallig Hooge Natur

In »Frische Brise auf dem Sommerdeich« schreibst du auch über Dunkelheit und Stille. Bist du an deine Grenzen gestoßen?

Natürlich! In den fast zwanzig Jahren, in denen ich nun auf Hooge lebe, fiel ich zweimal in eine tiefe Krise und glaubte, dass meine Zeit auf diesem Eiland beendet sei. Es war vor allem die aussichtslose Perspektive, mein finanzielles Auskommen aufzubessern, die mich allmählich kraft- und mutlos werden ließ. Auf Dauer von zwei Ferienwohnungen zu leben, erschien mir als unvernünftig und sinnlos. Auch kamen immer wieder Glaubenskrisen bzgl. meiner Zugehörigkeit. Außerdem hatte ich mit dem Tod meines Deichgrafen einen wichtigen Freund in meinem Leben verloren. Das hat mir Fröhlichkeit genommen. Da gab es schon mal dunkle Momente.

Katja Just im Wattenmeer

Du trittst ja jetzt das Amt zur Bürgermeisterin an. Hast du dir bestimmte politische Ziele gesetzt?

Ja und nein. Mein größter Wunsch ist es, ein Miteinander zu schaffen und das sowohl in der politischen Arbeit als auch bei den Mitarbeitern unter sich und vor allem zwischen der politischen Gemeinde und den Bürgern. Politische Visionen gibt es auch. Ein Thema bezieht sich auf aktive klimafreundliche Maßnahmen, das andere auf das Altwerden auf der Hallig. Auch fände ich es großartig, wenn die Hallig irgendwann einmal eine beispielhafte Landwirtschaft betreiben würde.

Katja Just füttert Kuh

Stichwort Klimaschutz: Machst du dir »Sorgen« um deinen Lebensraum?

Sorgen ist nicht der richtige Begriff. Ich bin mir sicher, dass es in absehbarer Zeit keine zehn Halligen mehr geben wird. Sprich in fünfzig bis hundert Jahren. Deswegen muss ich mich nicht mehr sorgen. Das ist leider so. Manchmal mache ich mir Sorgen, wenn ich darüber nachdenke, dass bei einer der nächsten Sturmfluten auch mal Wasser in mein Haus plätschern wird. Darauf muss man sich aber auf einer Hallig einstellen. Mehr als die Sorgen halte ich mir daher vor Augen, bewusst zu leben, die Zeit jetzt zu genießen, aber auch immer wieder zu sensibilisieren, was wir an unserer wunderbaren Natur haben und wie wichtig es ist, sie zu schützen. Wenn schon nicht mehr für uns, dann zumindest für die nachfolgende Generation und die Lebewesen, die nicht für sich selbst aktiv werden können.

Faszination Sturmflut: Wie fühlt es sich an, dermaßen den Naturgewalten ausgeliefert zu sein?

Von ganz viel Respekt erfüllt. Respekt vor der Unberechenbarkeit und gleichzeitig der Schönheit der Natur. Das spiegelt sich zum Beispiel in der aufbrausenden Ruhe vor dem Sturm und der beschwichtigenden Ruhe nach dem Sturm wider.

Vielen Dank für deine Antworten, liebe Katja!


Wenn ihr mehr über »Frische Brise auf dem Sommerdeich« erfahren wollt, schaut doch mal hier vorbei.

Katja Just: Frische Brise auf dem Sommerdeich