Unsere Autor*innen bereisen die Welt, steigen aus, überwinden harte Schicksalsschläge und erzählen mutig ihre ganz persönlichen Geschichten. Wir stellen 5 Fragen, die alle Leser*innen brennend interessieren und die wir unseren Autor*innen selbst schon immer stellen wollten. Hier kommen 5 Fragen an Anna Wilken, Autorin von »In der Regel bin ich stark«.


Du bist 1 von 10. Also 1 von 10 Frauen, die in Deutschland unter Endometriose leidet. Wie hat sich die Endometriose in frühen Jahren bei dir bemerkbar gemacht?

Meine Periode ist schon sehr früh eingetreten. Ich habe gefühlt geblutet wie ein Schwein. Dabei hatte ich immer ein, wie ich es damals schon beschrieben habe, »unwohles Gefühl« in meinem Bauch. Mit 12 Jahren konnte ich dieses Gefühl allerdings noch nicht richtig zuordnen. Ist das jetzt der Magen? Oder vielleicht der Darm?

Was rätst du Mädchen und Frauen, die unter starken Schmerzen leiden, aber gesagt bekommen, dass das alles ganz normal sei?

Definitiv sich durchzusetzen, auch wenn es schwerfällt. Man muss am Ball bleiben! Man selbst kennt seinen Körper am besten und sollte auf ihn hören und darauf vertrauen. Außerdem gibt es natürlich immer die Option, den Arzt zu wechseln, wenn er einem nicht zu glauben scheint. Ich habe angefangen meine Symptome mittels einer App namens »Clue« aufzuzeichnen, die lege ich den Ärzten vor. Dass dies nicht jeder kann, ist verständlich. Wenn die Beschwerden einen so sehr einschränken, dass man seiner Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann oder der Alltag dadurch eingeschränkt wird, ist der Schmerz definitiv nicht »normal«.

Inwieweit ist unsere Gesellschaft über diese Erkrankung aufgeklärt? Schaust du häufig in fragende Gesichter und musst viel erklären?

Gefühlt schaue ich hauptsächlich in fragende Gesichter. Kaum jemand, der mich neu kennenlernt und davon erfährt, weiß im Geringsten etwas damit anzufangen. Endometriose ist ein schwieriges Thema in unserer Gesellschaft, dabei verstehe ich nicht, wieso das so ist. Wenn 1 von 10 Frauen darunter leidet, ist die Krankheit alles, aber nicht zu speziell.

Weibliche Hygiene und Gesundheit gelten immer noch vermehrt als Tabuthemen, besonders in der älteren Generation. Dadurch kommt es häufig zum Verheimlichen der eigenen Schmerzen. Was muss getan werden, damit Endometriose als Krankheit ernst genommen wird?

Eindeutig mehr Aufklärung! Schmerzen sollten nicht aus Peinlichkeit verschwiegen werden. Daran ist nichts peinlich und es sollte schon gar kein Tabuthema sein, über das man nicht offen reden kann. Ich verstehe generell nicht, wieso diese Themen in unserer Gesellschaft solche Probleme darstellen und bin entsetzt darüber, dass man eigentlich non-stop mit dem Holzhammer auf den Tisch knallen müsste!

Was möchtest du den Leser*innen deines Buches gern mit auf den Weg geben?

Hört auf euren Körper! Traut euch mehr zu und noch wichtiger: Gebt euch Zeit. Wir sind alle nur Menschen und keine Roboter. Ihr seid großartig, so wie ihr seid und mehr als stark, denn ihr haltet die Endometriose täglich aus.

Vielen Dank für deine Antworten, liebe Anna!


Wenn ihr mehr über »In der Regel bin ich stark« erfahren wollt, schaut doch mal hier vorbei.

Anna Wilken: In der Regel bin ich stark