Alle, die südlich von Hamburg leben und noch nie im Norden Deutschlands Urlaub gemacht haben, können womöglich mit dem Begriff „Hallig“ nichts anfangen. Deshalb vorab eine kleine Erklärung: Die Halligen liegen in der Nordsee, genauer gesagt im Nationalpark Wattenmeer. Sie sehen aus wie kleine Inseln, sind aber keine. Denn im Gegensatz zu einer Insel, werden Halligen jährlich – vor allem im Herbst und Winter – mehrere Male überschwemmt. Das nennt man dann Land unter. Damit die HalligbewohnerInnen trotzdem ganzjährig auf ihrer Hallig leben können, stehen ihre Häuser auf Warften.

Eine ganz besondere Halligbewohnerin ist unsere Autorin Katja Just. Nach Ostern habe ich sie auf Hallig Hooge besucht, um zumindest ein wenig Gefühl für ihr Leben zu bekommen, denn ihr Buch „Barfuß auf dem Sommerdeich“ wird diese Woche bei uns erscheinen. Mit im Gepäck hatte ich einen Redakteur vom NDR. Unser Plan: Zwei Tage Hallig, viele Drehs am Deich, auf den Warften, in Katjas urgemütlichem Haus am Landsende und natürlich auch ein bisschen freie Zeit um uns den Wind um die Nasen wehen zu lassen.

Von Schlüttsiel aus fährt man etwa eine Stunde mit der Fähre. Von dort kann man mit Pferdekutschen zur gewünschten Warft aufbrechen, aber wir hatten ja unseren NDR-Schlitten dabei (der blöderweise auf dem Rückweg schlapp gemacht hat….Das wäre den Pferden sicher nicht passiert).

Katja stand schon auf ihrem Deich und empfing uns mit Kaffee und Friesenschnitten. Mit 25 zog sie nach Hooge und lebt nun schon seit 17 Jahren dort. Ihr Haus am Landsende ist ein Traum! Und vor allem mein Schlafplatz, meine Butze, gern auch Alkoven, hat es mir sofort angetan.

Wir drehten den ganzen Tag. Im Garten, mit den Enten, den Schafen, in der gemütlichen Küche, am Deich, im Watt – ohne Gummistiefel ging da nichts. Das einzige, was beim Drehen störte war der Wind – einfach zu laut, sonst sind das ja immer die Passanten, aber von denen gab es hier kaum welche.

Abends ging es durchgefroren in den Friesenpesel auf die Backenswarft. Die erste Bestellung waren drei lütte Köms, so wird einem ganz schnell wieder warm. Den ersten trinkt man zum warm werden, den zweiten, weil der erste so gut getan hat und den dritten dann natürlich als Verteiler nach dem Essen.

Da ich an diesem Abend mein restliches Bargeld im Friesenpesel gelassen habe, durfte ich am nächsten Morgen, nach meinem wunderbarem Schlaf in der Butze, auf einen ganz besondere Mission: Bargeld besorgen auf einer Hallig! Ebenfalls auf der Backenswarft – das muss auf Hooge der place to be sein – befindet sich ein schönes Haus mit Garten. Man klopft an und wird in eine gemütliche Küche eingelassen, mit diesen blauweißen nordfriesischen Kacheln. Am Tisch sitzt eine nette Hoogerin mit Geldzähler und Bargeld-Büdel. Entlassen wird man mit den Worten „Lassen Sie doch etwas von dem Geld auf der Hallig.“ 😉

Schade, dass ich Katjas Kuh Schmusi nicht kennenlernen durfte. Die kommt nämlich erst nächste Woche zurück auf die Hallig, hatte Winterpause, die Gute. Und ich komme sicherlich auch wieder!

Hier findet ihr übrigens das Buch für eure eigene Halligerfahrung.