In diesem Jahr zieht es viele wieder vermehrt raus in die heimischen Wälder. Urlaube werden in der Natur verbracht und die nahe Umgebung wieder aufmerksamer erkundet. Die Ruhe im Wald, die frische Luft und die Geborgenheit unter dem Blätterdach der Baumwipfel haben eine entspannende Wirkung. Wenn unter den Schuhen die Zweige knistern und sich das weiche Moos jedem Schritt anpasst, können viele von uns so richtig abschalten. Auch die Pflanzenwelt im heimischen Forst zu entdecken, erlebt eine neue Trendwelle. Könnt ihr eigentlich die Bäume in eurer Umgebung benennen? Mit »Meine kleine Baumkunde« unserem Buch zum Entdecken, Bestimmen und Bewahren wisst ihr bald ganz genau, was vor eurer Haustür wächst. Hier bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack.

Die Stileiche

Die Eiche ist die Königin des Pflanzenreichs und wird auf der ganzen Welt bis heute verehrt. Eine Eiche ist ein mächtiger Baum mit knorrigen Zweigen, der bis zu 30 Meter hoch und zweitausend Jahre alt werden kann. Das harte und robuste Holz der Eiche wurde in der Vergangenheit oft für den Schiffsbau verwendet. In der Antike waren Eicheln außerdem in vielen Teilen der Welt eine wichtige Nahrungsquelle.

In vielen früheren Kulturen hatte die Eiche eine starke Symbolkraft. Für die alten Griechen befand sich besonders in großen Eichen eine mythische Welt, bewohnt von Baumnymphen und unsterblichen Seelen in Form von Bienen. Priesterinnen sagten dort anhand des Raschelns der Blätter die Zukunft voraus. Auch für die Druiden waren die heiligen Eichen das Tor zu einer anderen Welt und einer höheren Form des Bewusstseins. Die Germanen wiederum verbanden die Eiche mit dem Donnergott Thor – denn sie beobachteten, dass Blitze besonders häufig in Eichen einschlugen. Das wiederum liegt wahrscheinlich daran, dass Eichen viel Feuchtigkeit enthalten, wodurch sie den Strom besser leiten als die meisten anderen Bäume. So kam es wohl auch zu dem altbekannten Rat aus dem Volksmund: »Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen.« Besser sollte man sich allerdings merken, alle Baumarten bei einem Gewitter zu meiden.


Die Weißbirke

Die Weißbirke ist der einzige Baum – man ahnt es schon
– mit einer weißen Rinde, unter der sich die tiefen dunklen Rillen des Stammes verbergen. Ihre jungen Zweige und Blätter sind weich behaart. Einige Weißbir-ken beherbergen sogenannte »Hexenbesen«. Sie sehen aus wie Vogelnester, sind aber kugelige und buschige Verwachsungen in der Baumkrone. In Russland ist die Birke ein heiliger Baum. Schon die Bewohner der sibirischen Birkenwälder glaubten fest daran, dass die Geister der Verstorbenen in den Baumkronen wohnen. Die Blätter der Weißbirke sind spitz und gezackt.


Die Vogelkirsche

Die Vogelkirsche stammt aus der Familie der Rosengewächse und zeichnet sich durch ihre steifen, nach außen gerichteten Zweige aus. Ihre kleinen Früchte sind zunächst rot, später schwarz und tragen einen runden Stein.
Für die slawischen und germanischen Völker war die Vogelkirsche ein Baum, in dem Dämonen lebten. Während der Walpurgisnacht wurden deshalb Äste der Vogelkirsche in Misthaufen gepflanzt, um Hexen abzuwehren. Im Mai blüht die Vogelkirsche und ist dann mit duftenden Blüten bedeckt. Nicht zuletzt deshalb ist sie ein beliebter Baum in Parks und Gärten. Sie kann bis zu 10 Meter hoch werden, bleibt aber oft kleiner und ähnelt eher einem Strauch. In manchen Wäldern wird der schnelle Wuchs der Vogelkirsche zur regelrechten Plage.