Pünktlich zum zweiten Deutschlandspiel hat unser Autor Pablo Hagemeyer einen Beitrag für uns über die Spieltaktiken von Narzisst*innen geschrieben. Am 1. Oktober erscheint sein neues Buch »Die perfiden Spiele der Narzissten«. Hier gibt es schon mal vorab einen kleinen Vorgeschmack auf das Thema.

Glück im Spiel und Pech in der Liebe?

Die schönste Nebensache der Welt ist nach Sex bekanntlich Fußball. Viele Narzissten mögen dieses Spiel, also macht es Sinn, sich damit etwas näher, auch als Metapher für das Spiel, zu beschäftigen. Stellen Sie sich ihren narzisstischen Gegenspieler wie einen Diego Armando Maradona vor, einer der besten Fußballer der Welt. Ein großes Talent und ein besonderer Mensch mit großen Schwächen, der sich oft naiv, wie ein kleiner Junge verhielt. Über sich sagte er, aus zwei Anteilen zu bestehen. Maradona und Diego. Maradona war die Seite, die wir alle kannten. Der Ausnahmefußballer, den sie »die Hand Gottes« nannten, weil er im Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft 1986 Argentinien gegen England mit der Hand statt mit dem Kopf ein Tor machte und sich unmittelbar reuelos zeigte und sagte, »teils habe Maradonas Kopf und teils die Hand Gottes mitgespielt«. Diego war die andere, zweifelnde, innere, schwache Seite. Der kleine Junge aus dem argentinischen Elendsviertel. Diego Armando Maradona war nach eigener Aussage zwischen dem sichtbaren Größenselbst Maradona und dem verborgenen, normaleren Selbstanteil Diego gespalten. Es ist klar, dass ein solcher Spieler niemals Diego aufs Spielfeld schicken würde, wenn es um etwas ging. Es kommt immer Maradona. Schließlich endete seine Karriere mit einem Cocktail aus Drogenkonsum und der Suche nach einer verlorenen Identität. Wenn Sie sich lieber für Musik und Promis interessieren, dann stellen Sie sich einen weiblichen Gegenspieler wie die Ausnahmesängerin Whitney Houston vor. Eine Ausnahmeerscheinung und Begabung, ihre Stimmlage umfasste drei Oktaven, die nach außen divenhaft und schillernd war und im privaten unsicher, schwach, impulsiv und zuletzt mit brüchiger Stimme und suchtmittelabhängig vor den Scherben ihrer Karriere stand. Sie selbst war privat außer Kontrolle geraten und niemand, kein Bodyguard, konnte sie vor sich selbst und ihrem selbstzerstörerischen Verhalten schützen. Vielleicht, weil sie einen Teil ihrer Identität für die Karriere aufgab, die intime Beziehung zu ihrer Freundin aus Jugendzeiten. Was ihr mit achtundvierzig Jahren den Tod brachte. Mit diesen kurzen Einblicken will ich vermitteln, dass sich zunächst gut und erfolgreich spielenden Menschen zum Ende hin irgendwie selbst torpedieren. Weil sie entweder vom Erfolg oder vom Kontaktverlust mit sich selbst leiden und den Spagat über den immer größer werdenden Spalt halten. Ein kleiner Trost für die Menschen, die sich zu diesen in Konkurrenz sehen oder unterliegen und zurückbleiben. Ich erzähle das nur, damit Sie ein Bild dafür bekommen, mit welchen starken Persönlichkeiten Sie möglicherweise zu tun haben. Sie müssen wissen, wenn Sie mit einem stark selbstbezogenen Menschen, einem mit besonderen Gaben und Fertigkeiten, ein Leben teilen, dass es immer besonders und herausfordernd ist. Leben Sie mit einem erfolgreichen Narzissten zusammen, dann wird es zwangsweise tolle, großartige Momente geben. Leben Sie mit einem scheiternden Narzissten, dann teilen Sie dieses schwierige Leben, voller Größenwahn, Frustration und Zerstörungswut. Mit einem erfolglosen Narzissten zu leben ist erwartbar anstrengend und frustrierend, denn die erhofften Erfolge bleiben aus, weil es die Person nicht schafft oder nicht kann und sich von der eigenen Überzogenheit verabschieden müsste. Treffen Sie auf einen offen, grandios und schillernd agierenden Narzissten, dann sehen Sie sofort, was Sie haben, das Gute und das Unangenehme, was Sie dann natürlich noch leugnen können, um es zu ertragen. Dieses Ungeheuerliche kann sich bis ins Psychopathische auswachsen und ihr Lieblingsnarzisst kann zu einem verrückten Kaiser Nero werden, der alle nach seiner Fasson missbraucht, tanzen und über die Klinge springen lässt. Nur der verdeckt agierende Narzisst, meist eine Narzisstin, ist schwer auszumachen, aber sie zeigt sich, wenn Sie nah genug dran sind. Holen Sie sich also ihre Feinde und Konkurrenten ganz nah heran, um sie besser lesen zu können. Wenn Sie nah dran sind und gute Beobachtungsgabe habe, dann erkennen Sie Punkte, an denen Sie ansetzen können. Machen Sie sich aber vor allem eins bewusst, diese Menschen haben tatsächlich zu wenig Liebe in ihrem Leben erfahren und sind wie jeder Mensch, darauf angewiesen, geliebt zu werden. Die narzisstischen Muster sind in unterschiedlicher Intensität entstanden, um als Mechanik des Überlebens zu dienen in einer Welt, die für sie eher feindselig und schwierig ist. Das Spiel geht immer um Anerkennung und Aufwertung des Selbst durch Abwertung des anderen. Es ist ein Spiel, das selbstbezogen und manchmal auch fremdbeschädigend ist. Man kann dieses Spiel korrigieren, dafür muss man halt mitspielen.

Spieltaktiken im Spiel mit einem Narzissten

Spielen Sie das Spiel. Machen Sie sich bewusst, das Spiel findet auf einem Spielfeld statt, ein Spannungsfeld, in das Sie durch den narzisstischen Gegenspieler gestellt wurden oder sich selbst freiwillig hineinbegeben. Weil es Sie anzieht oder weil Sie es nicht bemerkten. 

Spielzeit. Ein Spiel dauert so lange, wie es dauert. Sie treffen immer die Entscheidung, ob Sie nach den ersten Spielen weiter machen und sich für das lokale Turnier, die Champions-Leage oder die Weltmeisterschaft auf Lebenszeit entscheiden. Sind Sie ahnungslos bereits verstrickt, dann beginnt jetzt, wenn Sie das hier lesen, die neue Spielsaison.

Spielregeln sollten klar sein. Und man kann sie ändern. Lernen Sie die alten und die neuen Regeln. Führen Sie Buch darüber (Tagebuch, Protokoll) welche Regeln in diesem Spiel gelten und welche nicht. Unklare Regeln bekommen Sie heraus, indem sie fragen und die (schmerzliche) Erfahrung machen, sie zu brechen. Ist den Spielenden unklar, welche Spielregeln gelten, gibt es eine Mannschaftsbesprechung und ein Blick ins Reglement. Falls es keins gibt, wird eins gemacht. Ausnahmen sollte es wenige geben, aber eine lebensnahe, flexible Auslegung der Regeln ist möglich, aber nur so weit Sie selbst das aufgrund eigener Normen (innerer Wertekompass) mittragen können. Zu viele Regeln zerstören das Spiel, es ist wichtig, ein gutes Maß hierfür zu finden. Sonst macht das Spiel keinen Spaß. Zu streng und zu kontrollierend sollte sie also nicht sein, aber es sollte unbedingt welche geben, damit das Spiel ordentlich läuft. Gibt es pervertierte Spielregeln, kommen die auf eine schwarze Liste. Ausflippen bei Kleinigkeiten, verboten. Vollbremsung auf der Autobahn, verboten. Zerstören von Gegenständen, verboten. Körperliche Angriffe, verboten. Gewalt in Form von Manipulation, Schreie und seelische Grausamkeit durch Vernachlässigung, Aufschiebung, Brechen von Vereinbarungen, oder permanente Schuldzuweisungen, verboten. Missbrauch von scheinbar Sinnvollem, für egoistische Zwecke, verboten. Verdrehen von Tatsachen, verboten. Sich zum Opfer machen, verboten. In diesem Spiel wird ab sofort nichts und niemand mehr zerstört. Selbst die Verantwortung übernehmen, verpflichtend! Jeder für sich!

Stellungsspiel. Nehmen Sie Haltung an und stellen Sie immer ihren eigenen Pappaufsteller auf, ihre eigene Version von Maradona oder Whitney. Die beste Version die Sie haben. Zeichnen Sie ein überzeugendes Bild von sich, wie es auch ihr Gegenspieler tut. Verbergen Sie ihre Schwächen, die sie nur schwächen. Aber überlegen Sie, wo sie noch mehr Stärken entwickeln könnten und stärken Sie diese. Manchmal ist eine scheinbare Schwäche, ein kleiner Spieler, auch eine Stärke, weil er schneller durch die Reihen durchkommt. Zeigen Sie auch keine Angst. Angst riecht der Gegner kilometerweit und wird Sie dafür mit Vergnügen angreifen.

Angriffsspiel. Narzisstische Angriffe sind oft abwertend, zerstörerisch und vergiftet. Sie können massiv oder wie Nadelstiche sein. Seien Sie immer auf Angriffe vorbereitet. Dann können Sie sich besser dazu positionieren, sie abfangen und geraten nicht aus dem eigenen Spielkonzept. Halten Sie sich an den eigenen Spielvorgaben fest und leisten Sie Widerstand. Angriffswellen nur so lange aushalten, wie es ihnen zumutbar und erträglich ist. Lassen Sie den Angriff auch mal an sich vorbei und ins Abseits laufen. Stellen Sie eine Abseitsfalle!

Flanken schützen. Machen Sie sich nicht leicht angreifbar. Keine Aussagen, in die ihr Gegenspieler hineingrätschen kann. Keine vagen oder provokanten Kommentare. Sagen Sie immer nur das, was sie hundertprozentig bestätigen können und hinter dem Sie stehen, begründen und gut verteidigen können. Sonst schweigen Sie und bewahren Ruhe und Selbstkontrolle. Ein impulsiv gemachter Fehlpass wird immer zum Vorteil der anderen Mannschaft sein und leitet meist ein gefährlicher Konter ein. Machen Sie also keine Fehler, halten Sie sich an die Regeln des Spiels.

Verteidigungsspiel. Hinten mauern, dicht stehen und früh den Angreifer in seiner Spielfeldhälfte stören, damit er nicht in sein Spiel findet. Aber wenn Sie zu sehr hinten drinstehen und nur defensiv spielen, haben Sie kaum Freiräume. Sie brauchen also immer die Option schnell nach vorne zu spielen. Denken Sie daran, schnell umschalten ist wichtig und flexibel bleiben, nicht fixiert. Verteidigen Sie ihr Toleranzverhalten, stellen Sie sich eng zusammen, lassen Sie keinen gewalttätigen Spielzug mehr durchgehen. Sagen Sie eindeutig, laut und bestimmt: »So nicht!«

Konterspiel. Ergibt sich aus einer Unachtsamkeit oder Schwäche heraus die Möglichkeit, die Spielrichtung umzudrehen, dann machen Sie es schnell und sofort. Nutzen Sie das Überraschungsmoment, um die Themen durchzusetzen, die ihnen wichtig sind. Spielen Sie dabei schnell, hart und zielstrebig. Überrumpeln Sie, und falls nötig machen Sie ein Solo und schießen Sie ein Tor.

Spielpause. Wenn es zu heiß ist und die Spieler erschöpft sind, gibt es eine Auszeit, eine Trinkpause oder eine Wadenmassage. Nutzen Sie die Option die Waffen zu strecken, dann müssen aber beide Seiten in den Rückzug gehen. Vertagen Sie die Auseinandersetzung. 

Fairplay. Spielen Sie fair, dann wird nichts Furchtbares geschehen. Spielt jemand unfair, übervorteilend, herausnehmend, mit vielen Ausnahmen oder spielt er nicht zu Ende, muss eine Auszeit beim Trainer einberufen werden und der Spielstil besprochen werden. »So kannst du nicht spielen. Halte dich an die Regeln, behalte die Ordnung, achte auf die Konsequenzen, sei fair, sei nicht unmoralisch, gehe nicht über Grenzen und sei respektvoll.« Führt das Trainer-Gespräch zu keiner nachhaltigen, also nur zu einer kurzen Spielverbesserung, muss erneut und immer wieder das Spiel gestoppt werden.

Foul und Strafstoß. Kommt es zu schweren Grenzverletzungen durch Gewalt, Missbrauch, Missachtungen, Lügengeschichten und übertriebenen Druck, dann wird die Verhaltensweise als Foul bezeichnet. Und Konsequenzen gezogen. Es gibt dazu ein Ritual, der Entschuldigung aber auch der Wiedergutmachung. Eine Wiedergutmachung ist quasi der Strafstoß. Die Wiedergutmachung repariert, das was kaputt ging und legt nochmal eins obendrauf. Ein Geschenk. Konsequenzen dürfen selbst aber nie missbräuchlich und unverhältnismäßig angewendet werden, also bei Kleinigkeiten wäre das nicht angebracht.

Verschärfte Taktik. Machen Sie etwas davon, was er mit ihnen macht. Aber seien Sie dabei nicht genauso fremdbeschädigend, sondern ziehen Sie eine deutliche Grenze. Sie entscheiden, anhand ihres eigenen Wertesystems, was für Sie machbar ist. Ich finde, solange die verschärfte Taktik ihren guten Absichten dient, sich zu schützen, sich mehr Spielraum zu schaffen und sehr deutlich eine Grenze zu ziehen, ist es zulässig. Laut werden, auf den Tisch hauen, sich groß und klar machen, ohne jedoch körperliche Gewalt zu zeigen, vor allem nicht vor den Kindern. Aggression ist wichtig, um das Revier zu markieren und einen Punkt für sich zu setzen. Vor allen Leuten in der Arbeit dem despotischen Chef mal die Meinung zu geigen »So können Sie nicht mit Menschen umgehen!« hat noch niemanden geschadet. Eine leisere und sehr wirkungsvolle Taktik ist hingegen den narzisstischen Spieler zu ignorieren und ihm ihre Zuwendung und Anerkennung zu entziehen. Die Reaktion nicht zeigen, die der narzisstische Provokateur in ihnen auslösen will. Reagieren Sie langweilig, uninteressant und bleiben Sie unauslösbar für den narzisstischen Spieler. Teflon können Sie auch. Bekommt der Narzisst keine Aufmerksamkeit, wird er leiden, weil sein innerstes Anerkennungsmotiv frustriert wird. Strafen Sie ihn für ein paar Stunden zusätzlich noch mit Schweigen, Abwendung, Verweigerung des Blickkontaktes, oder spiegeln Sie ihm genau zurück, wie selbstgerecht er sich manchmal verhält, dann können Sie ein deutliches Signal setzen: So geht es nicht weiter! Achten Sie auch hier darauf, dies nie missbräuchlich, übertrieben, etwa bei eigener Kränkung oder eigener Verbitterung zu tun, dann wären Sie selbstgefällig narzisstisch. Sondern setzen Sie es wohl dosiert ein, um ihren Gegenspieler zu reglementieren. Die Einsicht muss beim narzisstischen Spieler kommen, weil er sich danebenbenommen hat. Erklären Sie sich, falls nötig, warum Sie das jetzt tun. Ohne Erklärung ist es noch wirksamer. Erst wenn er sich entschuldigt, es wiedergutmacht und fairer spielt, lenken Sie ein. Achten Sie auf Rückfälle, dann reagieren Sie sehr schnell verschärft, bis der andere es versteht.

Taktik ändern. Ändert ihr Gegenspieler häufiger die Spielregeln oder Taktik, dann lassen Sie sich auch was kreativ einfallen und ändern Sie es (mit oder ohne Ansage!) ebenfalls. Ohne Ansage die Taktik verändern ist schwerer zu durchschauen und wird ein kleiner Triumph für Sie sein. »Du hast dich nicht darangehalten, also halte ich mich auch nicht daran und ich ändere jetzt das Spiel.« Bestehen Sie nicht darauf, dass der andere seine Taktik ändert, weil Sie es einfordern oder wünschen. Es wird nicht geschehen. Nur wenn Sie ihre eigene verändern, wird es eine Wirkung haben. Werden Sie aber nie aktiv strafend- zerstörerisch, das wird negativ auf Sie zurückfallen. Sie müssen vor allem sich selbst gut im Griff haben. Kommt es dennoch zum Impulsdurchbruch, machen Sie ihren Punkt und fahren Sie wieder kontrolliert herunter.

Schiedsrichter. Kommt es zu vielen Grenzverletzungen muss ein Schiedsrichter, in Gestalt eines Psychotherapeuten, Coach oder Beraters eingeschaltet werden.

Gelbe und rote Karte. Häufen sich ungute Verhaltensweisen, kann man eine mal durchgehen lassen, aber bei Wiederholung muss sofort die gelbe Karte gezeigt werden. Verwarnung. Beim nächsten Foul kommt die rote Karte. Kommt die rote Karte, bei Wiederholungsfouls oder bei einem sehr drastischen, gewalttätigen oder gemeinen Foul, geht der Spieler vom Platz und darf nicht mehr mitspielen. Das bedeutet, übertragen auf die Situation, die Konsequenzen sind der Ausschluss bis zum Ende des einen Spiels. Es wird protokolliert, wer Strafkarten hat. Eine negative Token-Economy, als Wahrnehmungskorrektur.

Trainerwechsel. Tun Sie es ständig. Feuern Sie den aktuellen Coach, Psychotherapeuten, Paartherapeuten oder Berater und holen Sie sich einen neuen. Sie brauchen immer einen neuen! Machen Sie das Trainerkarussell mit und stellen immer wieder neue Trainer vor, zu denen ihr Lieblingsnarzisst dann immer mitmuss. War der aktuelle Trainer schlecht, seiner Meinung nach? Dann zum nächsten! Es gibt genug davon! Jede Saison ein neuer Coach. Irgendwann ist klar, warum St. Pauli nicht in die erste Bundesliga kommt, weil es eben nicht am Trainer liegt. Diese Strategie funktioniert auch mit Supervision oder im Transformationsprozess schwacher Teams. Statt nach einer »schlechten« Supervision den Veränderungsprozess abzubrechen, gleich die nächste Supervision starten! Und lassen Sie auch ab und an eine völlig verrückte Trainerin ran, mit neuen Methoden, die ihnen mal so richtig auf den Pelz klopft.

Testspiel. Erfinden Sie Situationen, ein spontanes oder geplantes Auswärtsspiel, suchen Sie mehr Autonomie, verfolgen Sie mehr ihren Eigensinn und das ist ein Test für den Narzissten selbst. Denn damit enttarnen Sie seine klammernden, kontrollierenden oder manipulativen Absichten, die dann ins Leere gehen. Da Narzissten selbst gerne testen und Proben und Fallen aufstellen und sich selbst oder Situationen inszenieren, um Sie von etwas zu überzeugen, können Sie das genauso gut mit dem Narzissten tun. Dann erkennen Sie plötzlich die insgeheimen Absichten seines Spiels, was ihnen Vorteile verschafft in der eigenen Positionierung. Sie erkennen, wie er wirklich tickt, ob er wirklich empathisch oder an ihnen interessiert ist, oder nur so tut. Widersprüchliches schmerzt dann nicht mehr so sehr. Sie sollten ihr Testspiel aber nicht offenbaren, lassen Sie ihren narzisstischen Mitspieler ruhig ahnungslos, das schwächt ihn. Sie dürfen auch intransparent sein, das macht sie geheimnisvoll.

Die Chöre an der Seitenlinie. Nehmen Sie die Schreihälse wahr und ignorieren die. Die Ultras skandieren immer etwas radikaler, was auf dem Spielfeld passiert, sie spielen aber nicht. Angehörige, Freunde, Bekannte, die nur ein wenig Einsicht in ihr Lebenssituation haben oft eine negative, verstärkende, aufhetzende, schlechtredende und einflüsternde Wirkung auf Sie. Brüllen lassen und selbst entscheiden, wohin der Ball soll. Das Brüllen wird abhängig, wie sie spielen, mal lauter und mal leiser. Es ist das begleitende Hintergrundrauschen, das sie ignorieren dürfen. Nutzen Sie es paradox, je lauter das Brüllen, desto entschiedener werden Sie.

Propaganda und Gehirnwäsche. Schützen Sie sich vor Manipulation. Lernen Sie das Nein-Sagen (auch bei Kleinigkeiten). Nicht sofort bei seinen Ideen mitmachen. Nicht sofort die Story glauben, die aufgetischt wird. Nicht sofort seine Aussagen über Dritte glauben, es könnte behauptet und gelogen sein. Nicht zu sehr vertrauen, was sie gesagt bekommen. Machen Sie sich höchstpersönlich ein Bild davon. Bestehen sie darauf. Lassen Sie sich nichts in komplexen Inszenierungen vorgaukeln. Bestehen Sie darauf die Nachrichten, Telefonate, E-Mails usw. die Sie auch betreffen als Kopie oder im cc mitzubekommen. Erst mitmachen, wenn transparent ist, worum es hier geht und was hier gespielt wird. Erst mitmachen, wenn es sicher nicht auf eigene Kosten ist. Sofort abbrechen, wenn es auf eigene Kosten geht. Vor allem bei unvereinbarten Nachverhandlungen. Kam es zum Missbrauch, dann neigt der Täter dazu, das Opfer seiner Tat vor anderen Personen abzuwerten, unglaubwürdig zu machen und sich selbst als Opfer oder zumindest ahnungslos, schuldlos und unbeteiligt zu zeigen. Eine Sicherheitsmaßnahme, falls das Opfer sagt, es sei misshandelt worden, um dann schon unglaubwürdig zu wirken. Typisch ist die Projektion eigener Verrücktheiten auf den vermeintlichen Täter, um sich selbst als Opfer zu zeigen.

Transparenz durchsetzen. Strafen mit frühzeitiger Ansage, ich mache mit, sobald es transparent ist. Ich mache erst mit, sobald gleiches Recht für alle gilt. In strittigen Fällen nicht nur den »Täter« auf eine psychische Störung oder bestimmten Persönlichkeitsmuster testen, sondern auch das »Opfer« hierauf testen (Fall Ronin) (hohe Validität zeigt der PSSI). Nicht nur einer, sondern beide gehen in eine Paartherapie oder in eine Betreuung durch Fachpersonal. Sozial erwünschtes Verhalten und mögliches Tarnungsverhalten wird offen angesprochen und aufgedeckt, sich ehrlich machen. Tit-for-Tat, ich gebe was zu, dafür gibst du auch was zu. 

Spielgeld. Einzahlungen in gemeinsame Projekte, jeder seinen gleichen Anteil einer definierten Währung (Zeit, Energie, Ideen). Auch hier ein Regelwerk einführen, auch ein Belohnungssystem, das wieder auszahlt. Ich investiere Zeit, also habe ich eine Gutschrift an Zeit auf meinem Beziehungskonto, das ich dann ziehen kann, wenn ich es brauche. Öfters mal was schenken, das löst die Bereitschaft im anderen aus, selbst mal zu schenken (Prinzip der Reziprozität). Systematisch sich selbst Zeit, Raum und Lebensbereiche einplanen (Termine, Tagebuch, Erfolgsplaner, Kalender) alleine, oder zu zweit. Gratis Leistungen werden storniert. »Wer nicht hilft, den Tisch zu decken, der isst von der Tischplatte!«

Radioreporter, Kommentator und Besserwisser. Bei ständigen Einmischungen in ihr Spiel durch Unterbrechungen und Kommentaren sofort ihre Tätigkeit oder Arbeit einstellen. Abgeben, sobald ihr Gegenspieler die Hand draufhat. Niemand darf sich ohne ihr Einverständnis und aktive Zusage »Ja, du darfst« in ihrem Spiel einmischen. Erst wieder einsteigen, wenn garantiert wird, dass sich nicht mehr eingemischt wird. Bei wiederholter Einmischung konsequent abgeben, loslassen und stehenlassen.

Neuer Club? Ist ihr Spiel hochproblematisch und strittig, niemals vergessen, was ihr Gegenspieler ihnen angetan hat und suchen Sie sich in geheimen Verhandlungen einen neuen Heimatclub. Führen Sie Gespräche mit ihrem Netzwerk, Freundinnen und Profis. Bauen Sie sich eine neue, gut geplante Existenz in einem anderen Umfeld auf. Verlassen Sie dann zu einem bestimmten Tag den Verein. Ihr Gegenspieler wird es früh genug aus der Presse erfahren, wo Sie sind. Weihen Sie ihn nicht in ihre Pläne ein, sonst wird er sie durchkreuzen. Doppeltes Spiel, können Sie auch.

Endspiel. Kurz davor, bevor alles den Bach runtergeht, spielen Sie ihr letztes Spiel. Gehen Sie mit ihrem Lieblingsnarzissten zum Coaching, zur Paartherapie. Wer nicht mitkommt ist meist der Narzisst oder wer den Vorgang idiotisch finden und abwertet. Das ist fast diagnostisch. Sich selbst stellen, das tut der Narzisst ungern oder nie. Im Endspiel, mit der Pistole auf der Brust, erkennen Sie ihn. Setzen Sie ein Ultimatum. Gibt es keine Kehrtwende seines unfairen, grenzverletzenden, beschädigenden Verhaltens, planen Sie, ihn zu verlassen.

Trojaner mit Schluckhilfe. Nach dem Sie woanders spielen und den Verein gewechselt haben, seien Sie bereit für eine reibungslose Ablöse. Schmieren Sie ihrem Ex-Gegner süßen Honig mit Lob und Anerkennung um den Mund für die vielen tollen Saisons und bleiben Sie zugleich hart in der Sache. Nach einer Trennung sind Sie möglicherweise noch über den Nachwuchs (ihre Kinder) und gemeinsame Verträge aneinandergebunden. Opfern Sie das, worauf Sie verzichten können, aber sagen Sie niemals im Voraus, worauf Sie verzichten könnten. Genau darüber verhandeln Sie hart und lange. Und dann geben Sie es so spät wie nur möglich her, kurz bevor der Deal platzt. So wird es für alle eine glückliche Win-Win-Situation.

In der Kabine und danach im Spa. Machen Sie sich klar, je länger der Abstand zum perfide spielenden Narzissten ist, desto besser wird es ihnen wieder gehen. Sie können wieder klarer, angstfreier und bewusster denken. Sie sehen erholter aus. Die Haut ist viel besser. Von der vielen Heulerei war die Haut ausgetrocknet und gereizt. Sie schlafen besser. Ihre ganzen körperlichen und psychischen Symptome sind besser. Kein Zähneknirschen mehr. Die Spannkraft wieder da. Die Stimmung auch viel besser und weniger schwankend. Sie machen nun das, was Sie gerne tun und sammeln ihre Erfolgserlebnisse.

Fühlen Sie sich inspiriert und entwerfen Sie eigene Spieltaktiken? Ich freue mich von Ihnen zu hören! Ihre E-mail sehr gerne an: narzisstenspiele@neurodoctor.de