»Kerin, deine Premierenlesung steht an, wo möchtest du die machen?«

Zugegeben, mir war sehr mulmig bei dem Gedanken, denn hinter dem Schreibtisch fühle ich mich deutlich wohler, als wenn alle Augen auf mich gerichtet sind. Ganz klar, ich brauchte Unterstützung. Wie schön, einen Musiker im Freundeskreis zu haben, wie Björn Hecht-Bleicken. Ich kratzte an seiner Tür. Er und seine Gitarre sollten mein Anker im Hafen der Öffentlichkeit sein, und welch ein Dank, er stimmte zu. Er setzte die Segel, und machte sich auf den Weg zu mir, zupfte die ersten Klänge seiner Gitarre zu meinen Worten, und ich wusste, das kann etwas sehr, sehr Gutes werden. Die Anspannung löste sich langsam. Mein Text stand, und er, der Profi vor dem Publikum, brachte eine unglaubliche Ruhe mit sich. Doch wo sollte die Lesung stattfinden? Ich brauchte etwas Gemütliches, etwas Charmantes und Authentisches. Ich überlegte, ich recherchierte und wählte eine Nummer. Und dann ging mein großes Glück ans Telefon, die Morsumer Kulturfreunde. Einer der Sylter Vereine, der in meinem Dorf ansässig war und mir sein „Wohnzimmer“, mit Platz für über 50 Personen, zur Verfügung stellte.

„Mit viel Mühe und dem Blick fürs Detail zauberten sie mir eine Stimmung, die einem Abend im Kerzenschein glich. Perfekt!“

Die Premierenlesung in Morsum – begleitet von sanften Gitarrenklängen

Der Abend war gekommen. Mit Mikro versteckte ich mich im Abseits und versuchte einen Blick auf die Gäste zu erhaschen. Meine Freude wuchs, als ich viele Gesichter erkannte. Selbst welche, die in meinem Buch eine Rolle spielen und noch nichts von ihrem Glück wussten. Und dann gings los. Der Countdown lief. Mein Puls stieg plötzlich, als wollte mein Herz aus der Brust springen. Maren Ehmke, die Vorsitzende des Vereins, kündigte mich mit liebevollen Worten an, und die Rührung kroch mir in die Kehle. Es war soweit. Der Spot ging an, Björn und ich gingen durch den applaudierenden Saal und nahmen unsere Plätze ein.

Meine Stimme, erst etwas zittrig, stand mir bei, und der Prolog, begleitet von den Gitarrenklängen, huschte unter unsere Haut. Die Klänge leiteten mich durch den Text und wir wurden eins. Ein perfektes Spiel von Worten und Melodie erfüllte den Raum und zog alle in den Bann. Meine Aufregung hatte sich gelegt und als ich aufsah, wurde mir eines klar: Da war ich wieder. Mitten in Morsum, umgeben von Morsumern. Wie in meinem Buch. Meine Mutter, mein Till, Frieda und viele Freunde und Verwandte gerieten während der Reise durch die Vergangenheit mit mir ins Träumen. Alle waren sie da. Und dann kam Oma Mutti. Kaum als sie sich im Text wiedererkannte, kicherte sie ihr Kichern, dass ich seit Kindheitstagen kenne und steckte das Publikum damit an. Großartig, Oma muss jetzt immer mit! Björn stimmte sein „Gesyltze“ ein, das perfekte Syltlied über den Inseltratsch – natürlich mit Augenzwinkern – und die Sylter wie auch Urlauber, die sich unter den Gästen befanden, jubelten gemeinsam.

Sylter und Urlauber, alle vereint!

Wie schön, das war das, was ich wollte. Und eh ich mich versah, war es schon vorbei. Die Zeit verging so rasend schnell, fast viel zu schnell, dass ich noch vieles hätte lesen können, weil es so einen Spaß gemacht hat. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, griff ich nach dem Glas Sekt, dass Maren Ehmke mir reichte und besiegelte mit Björn eine baldige Wiederholung. Mit etwas bibbernder Stimme kam ich zu meiner Danksagung, und ja, ich musste mir ein paar Tränchen wegwischen. Wie schön, es war ein gelungener Auftakt. Ich konnte kaum genug bekommen…

 

 

Falls ihr bei der Premierenlesung von „Inselluft mit Honigduft“ nicht dabei sein konntet, bekommt ihr in Kerin Schmidts Video einen kleinen Einblick davon:

Fotos: © Roman-Matejov-Fotografie www.insel-fotograf