Von der Idee zum Buch mit der 5a

„Mama, bitte tu‘ mir bitte einen Gefallen: Zieh nicht Deinen Pokémon-Pullover an. Und nicht den bunt gestreiften. Überhaupt: Nichts Buntes!“ Meine zehnjährige Tochter Mathilda bereitet mich morgens um sieben zartfühlend auf den Tag vor.

In einem dunkelblauen Shirt, einem dunkelblauen Blazer und mit schlackernden Knien betrete ich wenige Stunden später das Klassenzimmer der 5a der Marianne-Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte in Berlin-Buch. Ich habe zwei Stunden Zeit, um den Kids alles beizubringen, was sie übers Büchermachen wissen sollten. Eingeladen wurde ich von der Deutschlehrerin meiner Tochter – zugegebenermaßen habe ich mich aufgedrängt. Mitgebracht habe ich das Poster „Von der Idee zum Buch“, das ich bei der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e. V. bestellt habe, um den verknoteten Prozess der Buchentstehung sinnvoll zu sortieren.

Meinem Assistenten kommt dabei die unverzichtbare Rolle zu, die Tafel zu bedienen – mit Kreide kommt man hier kein Stück mehr weiter, dafür kann ich mit wenigen Klicks ein Tortendiagramm erstellen lassen. Aber erst mal klopfe ich ab, wie verbreitet das Kulturgut Buch in dieser Runde überhaupt noch ist. Große Freude: Fast jedes der anwesenden Kinder hat ein eigenes Bücherregal und kennt mehrere Buchläden, ein paar haben ihre aktuelle Lektüre mitgebracht. Und für mich gibt es sogar einen Mini-Zitronenkuchen!

Wir wühlen uns in den nächsten Stunden gemeinsam durch den langen, komplexen Weg von der Idee zum fertigen Buch, von mir unterfüttert mit munteren Anekdoten aus fast 14 Jahren Verlagspraxis und Autorenarbeit, wobei ich den Anwesenden ein Schweigegelübde abgenommen habe. Für mich erstaunlich: Die Hälfte der Kids will selbst ein Buch schreiben – die Quote bleibt aus meiner Erfahrung stabil bis ins hohe Alter.

Gute Fragen (“Warum machst Du nur Sachbücher? Was macht man mit den Büchern, die keiner kauft?”), gute Diskussionen, und ein großes Interesse an Büchern: Mein Verlegerinnenherz schlägt höher. Allerdings ergibt ein kleiner Exkurs, dass nur wenige wissen, was eine Schallplatte ist. Dafür kennen alle Pietro Lombardi.