Wir alle haben manchmal schlechte Tage, an denen einfach alles zu viel wird. Solche Momente sind ganz normal und gehen meist schnell wieder vorbei. Doch manchmal steckt auch mehr dahinter: laut der Deutschen Depressionshilfe erkranken jährlich mehr als 5 Millionen Erwachsene in Deutschland an einer depressiven Verstimmung. Um dies zu verhindern, kann man im Alltag gewisse Maßnahmen ergreifen, die eine stabile und gesunde Psyche fördern. Psychologin Lena Kuhlmann hat in ihrem Buch »Psyche? Hat doch jeder!« ein paar Tipps parat, wie du deine mentale Gesundheit stärkst.


»Die eigene Gesundheit ist eine Investition, die sich am Ende immer auszahlt. Und so kann jeder von uns, im Rahmen seiner Möglichkeiten, zumindest ein bisschen dazu beitragen, seine Psyche gesund zu halten und die schützenden Faktoren weiter auszubauen.« Lena Kuhlmann


Sport

Sport ist eine gute Sache. Das gilt für das körperliche Wohl, aber auch für das psychische. Jogging beispielsweise hat nachweislich positive Effekte auf die Stimmung und kann Symptome einer Depression verringern. Sportliche Betätigung kann das Selbstwertgefühl stärken, wenn man an seine eigenen Grenzen und darüber hinausgeht. Ein super Nebeneffekt: Während man sich so richtig austobt, hat man gar keine Gelegenheit, sich mit seinen Sorgen und Problemen zu beschäftigen. Yoga ist dabei ein absoluter Top-Tipp. Regelmäßiges Trainieren fördert nicht nur die stabile und gesunde Körperhaltung, sondern steigert die Ausgeglichen- und Zufriedenheit.

Entspannungsübungen

Ob autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Fantasiereise: Entspannung ist das Gegenteil von Stress und somit sind Entspannungsverfahren ein gutes Mittel, um aktiv gegen Angst oder eine Panikattacke vorzugehen. Die positiven Bilder in den Geschichten vom Meer oder der Blumenwiese sorgen dafür, dass schlechte Gedanken und Gefühle in den Hintergrund treten – eine gute Sache zum Beispiel für Menschen, die an Depressionen leiden, viel grübeln oder Sorgen haben.

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist eine Art Lebenseinstellung, die enge Verbindungen zum Buddhismus knüpft. Es bedeutet, dass man wertfrei im Hier und Jetzt verbleibt. Man versucht, die Dinge bewusst wahrzunehmen und das ohne Wertung. Das trägt zur Reduktion von Stress bei (weil sich die Produktion des Stresshormons Cortisol verringert) und kann der Entstehung von psychischen Krankheiten entgegenwirken.

Singen

Auch Singen soll gut für die Psyche sein. Die Stimme ist ein Ausdruck unserer inneren Befindlichkeit. Wenn geträllert wird, nehmen wir aktiv Einfluss auf unsere Stimmung, je nachdem, was wir singen, wie wir es singen, ob wir allein oder mit anderen singen, welche Worte wir benutzen und welcher Beat das Ganze unterlegt. Es tut gut, sich zu öffnen, sich zu hören, tief einzuatmen, das Vibrieren in der Brust zu spüren.

Ausmalen und andere künstlerische Aktivitäten

Tatsächlich konnten Forscher nachweisen, dass tägliches Ausmalen zur Stress- und Angstreduktion beitragen kann. Aber auch andere kreative Tätigkeiten können dabei helfen, zu einem besseren seelischen Gleichgewicht zu finden. Wenn die Worte fehlent, sagt vielleicht ein Ton, eine Zeichnung oder eine Bewegung mehr als tausend Worte.

Sonne

Der kalte lange Winter macht es vielen Menschen schwer und die zahlreichen grauen Tage wirken sich auch auf die Stimmung aus. Die Sonne fehlt und damit kommt es zu einem Mangel des Gute-Laune-Machers Vitamin D. Deshalb freut sich die Psyche darüber, wenn man die ohnehin geringen Sonnenstrahlen in der kalten Jahreszeit nutzt, um an die frische Luft zu gehen. Einfach auftanken.

Tagebuch schreiben

Das klingt so einfach, dass viele es gar nicht glauben können. Aber das Aufschreiben zwingt einen dazu, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Tagebuch schreiben hilft, die Gedanken zu sortieren, und kann Grübelschleifen durchbrechen. Es ist auch im Verlauf nützlich, um zu erkennen, welche Krisen man bereits gemeistert und inwiefern man sich weiterentwickelt hat. Es erinnert vielleicht an die schönen Momente des Lebens.

Freunde

Soziale Kontakte finden heutzutage mehr und mehr digital statt, aber es geht trotzdem nichts über einen Abend mit. Die gesunde Psyche guten Freunden. Gemeinsam lachen, Sorgen teilen oder sich an Vergangenes erinnern, das tut so gut. Freunde sind die, die unangekündigt vor deiner Tür stehen und dich ins Kino einladen, weil du jetzt mal eine Pause von deinem Liebeskummer machen solltest. Sie sorgen für Ablenkung und sind Entwicklungsbegleiter sowie Ersthelfer in fast allen Notlagen des Lebens. Freunde darf man aber auch um Hilfe bitten.

Zurück zum Ich

Egal ob Hygge, Kalligrafie, Mandala malen oder Rollenspiele im Wald – im Grunde weiß jeder selbst am besten, was ihm oder ihr guttut und was nicht. Da helfen auch alle Ratgeber der Welt nicht weiter. Deswegen ist es vielleicht die beste Regel, bei sich selbst zu bleiben. Nur weil der Affe im Zoo am Baum hängt, muss es ihm der Schwan nicht gleichtun. Auch wenn alle Freunde gerade im Park ihre Joggingrunden drehen, muss man nicht gleich hinterhersprinten. Umso näher wir an unseren Gefühlen und Bedürfnissen leben, desto besser ist das für unsere Psyche.