Arbeiten mit Thomas Drechsel

Wir Journalisten lieben es schnell. Heute ein spannendes Interview, morgen eine aufregende Recherche und übermorgen wieder eine große Reportage. Bloß nicht einrosten, immer schnell die Gedanken in den Rechner tippen und dann auf zur nächsten Story. Diese Arbeitsweise entspricht mir total. Ich liebe es, mich in kurzer Zeit in ein Thema reinzufuchsen, darüber zu berichten, wieder aufzutauchen und mich dem nächsten Projekt zu widmen.

Und dann kam Tommy in mein Leben. Thomas Drechsel, dieser lustige Kerl, den drei Millionen Leute abends im Fernsehen sehen, wenn er „Tuner“ bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten verkörpert. Ich hatte das Angebot auf dem Tisch, mit ihm ein Buch zu machen – seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. „Ja klar, das mache ich“, war mein erster Impuls, als ich Tommy im Verlag kennengelernt hatte. Dann trafen wir uns immer wieder, in meinem Berliner Kiez, meistens im Café „No Fire no Glory“. Da tranken wir Kaffee und frisch gepresste Säfte und redeten, redeten, redeten. Über Gott und die Welt, über das Leben, die Liebe, das Schauspielerdasein – und natürlich über gesunde Ernährung. Aber vor allem lachten wir viel. Tommy ist nämlich genau so, wie er im Fernsehen, bei Instagram und Facebook rüberkommt: herzlich und witzig. Er nimmt sich selbst und das Leben nicht besonders ernst, er flirtet gerne, ist flapsig und frech, freut sich über die kleinen Dinge, er behandelt andere Menschen gut und macht sich über Zwischenmenschliches viele Gedanken.

Mit Tommy hatte ich nicht nur einen liebenswerten Kerl kennengelernt – ich hatte mir auch ein richtig dickes Projekt an Land gezogen: Verdammt, ich werde ein Buch schreiben! Auf einmal war meine geliebte Arbeitsweise passé. Jetzt ging es darum, Tommy ganz und gar zu verinnerlichen und eine Sprache für ihn zu finden. Ich tauchte ein in sein Leben, in seine Kindheit, seine Jugend, seine Zeit bei GZSZ. Er vertraute mir an, wie es ist, Thomas Drechsel zu sein. Und Tommy. Und Tuner. Und ich fand mit ihm zusammen die richtigen Worte dafür.

Für mich als Journalistin war es ungewohnt, so lange an einem Projekt zu arbeiten und mich immer wieder mit einer Person auseinanderzusetzen. Gleichzeitig war es aber auch wahnsinnig schön, einem Menschen so nahe zu kommen und ihn über Monate hinweg immer wieder zu intensiven Gesprächen zu treffen. Irgendwann hatten wir unseren Flow gefunden. Die Seiten füllten sich fast wie von selbst. Wenn Tommy einen Satz begann, konnte ich ihn beenden. Ich erzählte ihm natürlich auch, was bei mir gerade so los war. Kurzum: Für ein paar Monate in diesem tollen Jahr 2018 wurden Tommy und ich zu einem kleinen eingeschworenen Team. Wir waren in ständigem Austausch und wussten verdammt viel voneinander. Ich finde, dass man das den Kapiteln auch anliest.

Das Buch ist längst im Druck, es erscheint sehr bald. Ich bin dankbar für die lustige und intensive Zeit mit Tommy und finde es großartig, dass ich in sein Leben abtauchen durfte. Auch, wenn es für meine Arbeitsweise ungewohnt war: ich bin um eine Knaller-Erfahrung reicher. Wenn ich heute an unserem „Arbeitscafé“ vorbeigehe, werde ich wehmütig. Ich sehe uns da sitzen, miteinander klönen, in den Laptop schauend, nach den richtigen Worten suchend.

Schön war’s, Tommy. Danke für diese Reise. Du bist schwer in Ordnung!