Die Dating-Welt hat sich verändert. Wo früher noch voller Zurückhaltung zum Tanzen aufgefordert wurde, wird Frauen heute auf der Tanzfläche schamlos das beste Stück entgegengedrückt. Wo früher romantische Briefe und farbenfrohe Blumensträuße warteten, finden wir heute Dick-Pics und Bootie-Calls. Das soll hier keine öde »Früher-war-alles-besser-Leier« werden, aber wir müssen schon zugeben, dass uns vielleicht ein wenig Romantik und Bauchkribbeln abhandengekommen sind. Hier die gute Nachricht: Diese neue Dating-Welt ist nicht verloren, sie ist nur anders. Bloggerin Lina Mallon hat mit »schnell.liebig« ein ganzes Buch darüber geschrieben, dass es da draußen einen Haufen junger Leute gibt, die nach großen Gefühlen und festen Bindungen suchen. Die dich nicht ghosten, wenn das Wort »Commitment« fällt. Und sie ist sich sicher: Beziehungsunfähig sind davon die allerwenigsten. Um im unendlichen Teich der Möglichkeiten aber nicht nur Kröten zu fangen, gibt es ein paar Klischees, um die ihr am besten einen Bogen machen solltet.


Der kleine Mann

Das Problem am kleinen Mann ist nicht, dass er kleiner ist als der Durchschnitt, sondern dass er meint, seine Größe anderweitig kompensieren zu müssen. Man kann manchmal ein ausgeprägtes Napoleon-Syndrom erkennen, das ein kleiner Mann zum Ausgleich für 15 fehlende Zentimeter Körpergröße zu entwickeln scheint. Die ganze Zeit ein bisschen zu laut, ein bisschen zu angriffslustig und irgendwie wütend, ständig in antrainierter Verteidigungshaltung und permanent dabei, dir oder vielmehr sich selbst irgendetwas zu beweisen. Manchmal kann man diesen Typ schon an seiner Tinder-Bio erkennen, in der er – nennen wir es Erwartungsmanagement – betreibt. Da steht dann so was wie: »PS, ich bin 1,74 Meter, weil das ja irgendwie wichtig zu sein scheint.« Ist es eigentlich nur denen. Und das ist der Punkt.


Der Weltenbummler

Er ist in der Welt zu Hause. Auf seinem Tinder-Profil zeigt er sich beim Schnorcheln mit einem Walhai, neben dem Street-Food-Stand in Asien und mit Bier und seinen Jungs vor einer Palmenkulisse. (Je nach Fitnesslevel könnte auch noch ein Handstand bei Sonnenuntergang dazugehören.) Nur wird dir irgendwann auffallen, dass jedes dieser Bilder auf der gleichen Reise entstand. Thailand 2018, vermutlich über TUI gebucht.
Eng verwandt mit dem Weltenbummler: der Bali-Aussteiger. Hat drei Wochen in einem Airbnb in Ubud gewohnt, erst die perfekte Açaí-Bowl und dann sich selbst gefunden. Sein Wissen und die drei wackligen Yoga-Posen gibt er jetzt als »daily life lessons« auf Instagram weiter.


Der Hipster

Er trägt die Haare lang, den Bart gepflegt und vermutlich hängt an seiner Wand ein Fahrrad. In seiner Küche weichen schon die Mandeln für den Almond Latte ein, den er dir am nächsten Morgen machen will. In seiner Freizeit geht er total gerne bouldern, seine Urlaube verbringt er in Schweden oder Südfrankreich, er könne sich aber auch Lissabon für den nächsten Sommer gut vorstellen. Auf den ersten Blick wirkt er so individuell wie die verschiedenen Möbelstücke in seiner Wohnung. Beim näheren Hingucken fällt dir dann aber leider auf, dass dieser Mann nicht nur seinen Look, seinen Instagram-Auftritt, sondern seine ganze Persönlichkeit durchgeneriert hat. Lass beim Dating also lieber die Finger davon.


Der Neue

Er kommt gerade aus einer siebenjährigen Beziehung. Dating kommt für ihn überhaupt noch gar nicht in Frage und er will eigentlich nur seine Ex zurück. Aber irgendwann haben ihm dann seine Kumpels ans Herz gelegt, sie zu vergessen. Also probiert er Tinder aus. Und findet dort dich: den Rebound.


Der Pumper

Der Pumper hat sich selbst vor dem Aussterben bewahrt. Hat sich weiterentwickelt und der natürlichen Selektion getrotzt. Er hat die Klischees, ja sogar die Mario-Barth-DVD losgelassen, trägt jetzt Calvin Klein und Stan Smith und zu seinen umgeschlagenen Hosen gerne weiße, viel zu enge Hemden. Was geblieben ist, ist sein beschissenes Frauenbild. Das ist ein Typ, der mit dir schläft, dabei aber an Sophia Thomalla denkt (»voll die Hammerfrau!«), der, auch wenn er es dir natürlich nicht sofort laut sagt, innerlich noch immer fest davon überzeugt ist, dass Gleichberechtigung irgendwie falsch und Feminismus nur was für sexuell frustrierte Frauen ist. Er glaubt, dass es Winterfiguren gibt, die man bis zum Sommer wieder bekämpfen muss, und wenn du neben ihm einen glasierten Donut isst, überkommt es ihn vielleicht. Nicht vor Freude, sondern vor Kohlenhydraten.

Mehr Tipps und Tricks zum Thema Dating, Einblicke in die Generation Y und das Leben als Single in einer Großstadt findet ihr im Buch »schnell.liebig«

Lina Mallon: Schnell.liebig (Cover)